KI-generiert
Das Wichtigste in Kürze
Ein CRM-Wechsel gelingt nicht mit einem CSV-Export allein, sondern mit klaren Datenregeln, Tests und einer dokumentierten Übergabe.
Inhalt
- Zuerst den Datenbestand erfassen, nicht sofort exportieren
- Datenmodell des neuen CRM vor dem Import verstehen
- Dubletten vor der Migration bereinigen
- Angebote, Aktivitäten und Anhänge getrennt testen
- DSGVO: Datenminimierung und Zugriff von Anfang an einplanen
- Was die Wechselpflichten für Cloud Dienste bedeuten können
- Den Übergang mit einem Stichtag absichern
Am Montagmorgen soll das neue CRM starten, doch im Testsystem fehlen Ansprechpartner, offene Angebote sind nicht mehr dem richtigen Unternehmen zugeordnet und die Vertriebshistorie endet vor sechs Monaten. Solche Probleme entstehen selten durch einen technischen Totalausfall. Meist fehlen vor dem Wechsel klare Entscheidungen darüber, welche Daten tatsächlich migriert werden, wie sie im Zielsystem abgebildet werden und wer die Ergebnisse prüft.
Kleine Unternehmen wechseln ihr CRM häufig, weil die Preise steigen, neue KI Funktionen fehlen oder bisherige Abläufe zu starr sind. Ein Wechsel von HubSpot zu Pipedrive, von Salesforce zu Zoho CRM oder von einer Excel Liste zu einem vollwertigen CRM kann sinnvoll sein. Er ist aber kein reines IT Projekt. Kundendaten, Vertriebswissen und Datenschutzpflichten gehören zusammen.
Zuerst den Datenbestand erfassen, nicht sofort exportieren
Bevor Sie im alten CRM auf „Exportieren“ klicken, sollten Sie den vorhandenen Datenbestand inventarisieren. Dabei geht es nicht nur um Kontakte und Unternehmen. Gerade Aktivitäten, Anhänge und individuelle Felder gehen bei einer unvorbereiteten Migration oft verloren.
Erstellen Sie eine Liste der Datenobjekte im bisherigen System:
- Unternehmen und Kundinnen und Kunden
- Kontakte, Ansprechpartner und Rollen
- Leads und Verkaufschancen
- Angebote, Aufträge und Produkte
- Aufgaben, Wiedervorlagen und Termine
- E Mails, Gesprächsnotizen und Anrufprotokolle
- Dateien und Anhänge
- Tickets oder Servicevorgänge, falls das CRM auch Kundenservice abbildet
- individuelle Felder, Tags, Listen und Segmentierungen
- Nutzerkonten, Teams, Berechtigungen und Eigentümerzuordnungen
- Automatisierungen, Vorlagen und Berichte
Notieren Sie zu jedem Objekt, ob es migriert, archiviert oder gelöscht werden soll. Nicht jede Information muss in das neue System. Alte Testkontakte, unvollständige Leads ohne nachvollziehbaren Zweck und doppelte Datensätze erhöhen Aufwand und Risiko.
Besonders wichtig sind individuelle Felder. Ein Feld mit dem Namen „Status“ kann im alten CRM beispielsweise die Kundenbeziehung beschreiben, im neuen CRM aber den Vertriebsfortschritt. Ohne genaue Zuordnung werden Daten zwar importiert, erhalten aber eine falsche Bedeutung.
Wenn Sie bisher Kontakte und Vertriebsvorgänge über Excel verwaltet haben, lohnt sich vorab auch der Abgleich, ob ein CRM wirklich die richtige Lösung ist. Der Beitrag „Brauche ich ein CRM oder reicht Excel?“ hilft bei dieser grundsätzlichen Entscheidung.
Datenmodell des neuen CRM vor dem Import verstehen
Jedes CRM organisiert Daten anders. Pipedrive stellt Deals und Pipelines in den Mittelpunkt, HubSpot arbeitet stark mit Objekten, Eigenschaften und Listen. Microsoft Dynamics 365, Zoho CRM und Salesforce bieten zusätzlich sehr flexible Anpassungen. Diese Flexibilität kann hilfreich sein, erhöht aber den Planungsbedarf.
Erstellen Sie eine Zuordnungstabelle. Sie zeigt, welches Feld aus dem alten System in welches Feld des neuen Systems wandert.
| Altes Feld | Neues Feld | Prüfung |
|---|---|---|
| Firmenname | Unternehmen | Schreibweise vereinheitlichen |
| Ansprechpartner | Kontakt | Vor und Nachname trennen |
| Umsatzpotenzial | Deal Betrag | Zahlenformat und Währung prüfen |
| Vertriebsphase | Pipeline Phase | Werte eindeutig zuordnen |
| Letzter Kontakt | Aktivitätsdatum | Datumsformat testen |
| Einwilligung Newsletter | Marketingstatus | Rechtsgrundlage dokumentieren |
Übernehmen Sie vorhandene Kategorien nicht blind. Wenn die bisherigen Vertriebsphasen „Neu“, „Angebot“ und „Fast gewonnen“ heissen, sollten Sie festlegen, was diese Begriffe im neuen System konkret bedeuten. Andernfalls entstehen später unzuverlässige Auswertungen.
Achten Sie zudem auf Pflichtfelder. Viele CRM Systeme verlangen beispielsweise einen Deal Namen, einen Eigentümer oder eine Pipeline. Fehlen diese Daten im Export, müssen Sie vor dem Import eine Regel definieren. Ein Beispiel: Nicht zuordenbare Altdaten erhalten vorübergehend einen zentralen Systemnutzer als Eigentümer. Dieser Bestand muss anschliessend bereinigt werden.
Dubletten vor der Migration bereinigen
Ein CRM Wechsel ist eine gute Gelegenheit, Dubletten nicht mitzunehmen. Typisch sind mehrfach angelegte Firmenkonten, private und geschäftliche E Mail Adressen desselben Kontakts oder unterschiedliche Schreibweisen eines Unternehmens.
Verlassen Sie sich nicht allein auf die automatische Dublettensuche des Zielsystems. Sie erkennt oft nur identische E Mail Adressen. In der Praxis brauchen Sie zusätzliche Regeln:
- Unternehmen anhand von Name, Internetdomain, Postleitzahl und Ort vergleichen
- Kontakte anhand von E Mail Adresse, Telefonnummer sowie Vor und Nachname prüfen
- Schreibweisen vereinheitlichen, etwa „GmbH“ und „GmbH.“
- frühere Firmennamen und verbundene Unternehmen dokumentieren
- einen führenden Datensatz bestimmen und zusammengeführte Quellen nachvollziehbar festhalten
Bearbeiten Sie zuerst die wichtigsten Datensätze: aktive Kundschaft, offene Angebote und Leads mit aktuellem Vertriebsbezug. Eine vollständige historische Bereinigung kann unverhältnismässig viel Zeit kosten. Alte, nicht mehr benötigte Datensätze sind häufig eher ein Löschkandidat als ein Migrationskandidat.
Für eine spätere saubere Vertriebsarbeit muss auch klar sein, wer Kundendaten bearbeiten darf. Der Vergleich „CRM für kleine Unternehmen im Vergleich“ zeigt, dass sich Rollen, Rechte und Datenmodell je nach System deutlich unterscheiden.
Angebote, Aktivitäten und Anhänge getrennt testen
Kontakte und Unternehmen lassen sich meist per CSV Datei importieren. Schwieriger werden Angebote, Aktivitäten und Anhänge. Diese Daten haben Beziehungen: Ein Angebot gehört zu einer Verkaufschance, die Verkaufschance zu einem Unternehmen und möglicherweise mehreren Kontakten. Werden diese Beziehungen nicht über eindeutige Kennungen erhalten, entstehen isolierte Datensätze.
Exportieren Sie deshalb, soweit möglich, die internen IDs des alten Systems mit. Im neuen CRM kann eine temporäre Referenzspalte helfen, alte und neue Datensätze einander zuzuordnen. Löschen Sie solche technischen Hilfsfelder erst, wenn die Abnahme abgeschlossen ist.
Für Anhänge gilt: Prüfen Sie Dateitypen, Dateigrössen und Speichergrenzen. Nicht jedes CRM importiert Dateien zusammen mit Aktivitäten. Manchmal müssen Anhänge in einen Cloud Speicher umziehen und im CRM nur verlinkt werden. Dabei brauchen Sie ein klares Berechtigungskonzept. Der Beitrag „Cloud Speicher fürs Büro: DSGVO-konform“ erläutert, worauf es bei Zugriffsrechten und Auftragsverarbeitung ankommt.
Führen Sie zuerst einen Testimport mit einer kleinen, aber repräsentativen Datenmenge durch. Wählen Sie etwa 50 Unternehmen mit Kontakten, offenen und gewonnenen Deals, Aktivitäten, Sonderfeldern und einigen Anhängen. Prüfen Sie anschliessend mindestens:
- Sind alle Pflichtfelder korrekt gefüllt?
- Stimmen Umlaute, Sonderzeichen, Telefonnummern und Datumswerte?
- Sind Kontakte dem richtigen Unternehmen zugeordnet?
- Stimmen Deal Beträge, Währungen und Vertriebsphasen?
- Sind Aktivitäten chronologisch und vollständig vorhanden?
- Können berechtigte Mitarbeitende Anhänge öffnen?
- Funktionieren Berichte und Filter mit den importierten Daten?
Erst nach diesem Test sollten Sie den Gesamtbestand migrieren.
DSGVO: Datenminimierung und Zugriff von Anfang an einplanen
Ein CRM Wechsel ist eine Verarbeitung personenbezogener Daten. Sie sollten daher vorab prüfen, welche Daten im neuen System erforderlich sind und welche Rechtsgrundlage für ihre weitere Verarbeitung besteht. Besonders kritisch sind Freitextnotizen. Dort finden sich oft Informationen zu Gesundheit, privaten Umständen, Beschwerden oder Einschätzungen von Mitarbeitenden, die im CRM nichts zu suchen haben.
Legen Sie klare Regeln für Notizen fest. Vertriebsrelevante Fakten gehören strukturiert in dafür vorgesehene Felder. Wertende, sensible oder nicht erforderliche Angaben sollten Sie vor der Migration entfernen.
Prüfen Sie ausserdem:
- Auftragsverarbeitungsvertrag mit dem neuen Anbieter
- Speicherort und eingesetzte Unterauftragnehmer
- Rollen und Rechte im neuen CRM
- Mehrfaktor Authentifizierung für alle Nutzerkonten
- Löschfristen für Leads, ehemalige Kontakte und inaktive Daten
- Verfahren für Auskunft, Berichtigung und Löschung
- Export und Sperrung des bisherigen Systems
Die Datenschutzdokumentation muss den Wechsel abbilden. Dazu gehören insbesondere das Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten, Berechtigungskonzepte und interne Arbeitsanweisungen. Falls Marketingdaten migriert werden, dürfen Einwilligungen nicht nur als Textfeld übernommen werden. Übertragen Sie auch Nachweise, Zeitpunkt, Quelle und Umfang der Einwilligung, soweit diese Angaben vorhanden und erforderlich sind.
Was die Wechselpflichten für Cloud Dienste bedeuten können
Der EU Data Act enthält Regelungen, die Wechsel zwischen bestimmten Datenverarbeitungsdiensten erleichtern sollen. Die Vorgaben gelten seit September 2025. Sie richten sich an Anbieter und sollen technische, vertragliche und organisatorische Wechselhindernisse reduzieren. Übergangsfristen und Details, etwa zu möglichen Entgelten, sind im Einzelfall relevant.
Für CRM Anbieter kann das eine Rolle spielen, wenn ihr Angebot unter die gesetzlichen Definitionen fällt. Daraus folgt jedoch nicht, dass jeder CRM Wechsel automatisch kostenlos, sofort und vollständig automatisiert möglich ist. Prüfen Sie Ihren Vertrag und die Exportmöglichkeiten konkret: Welche Daten erhalten Sie, in welchem Format, wie lange bleibt der Zugang nach Kündigung bestehen und sind Aktivitäten oder Dateien mit exportierbar?
Für die Praxis ist entscheidend, Wechselbarkeit schon bei der Produktauswahl zu bewerten. Verlangen Sie eine Datenexport Dokumentation und testen Sie, wenn möglich, vor Vertragsabschluss einen Export. Bei komplexen Anforderungen kann es sinnvoll sein, das Thema systematisch zu vertiefen. Passende Seminare finden Sie bei cmt.de.
Den Übergang mit einem Stichtag absichern
Planen Sie einen festen Migrationsstichtag. Ab diesem Zeitpunkt sollten Mitarbeitende neue Kontakte und Aktivitäten nur noch im neuen CRM erfassen. Eine lange parallele Pflege führt fast zwangsläufig zu widersprüchlichen Daten.
Sichern Sie vor dem finalen Import einen vollständigen Export des Altsystems und dokumentieren Sie Datum, Umfang und Speicherort. Nach dem Start im neuen CRM prüfen Vertrieb, Kundenservice und Geschäftsführung gemeinsam die wichtigsten Abläufe. Dazu gehören Lead Erfassung, Angebotserstellung, Aufgaben, Berichte und Zugriffsrechte.
Das alte CRM sollten Sie nicht vorschnell löschen. Halten Sie es für eine begrenzte, dokumentierte Übergangszeit lesend verfügbar, sofern Vertrag, Datenschutz und Aufbewahrungspflichten dies zulassen. Buchhaltungsrelevante Belege und geschäftliche Korrespondenz gehören häufig in ein separates, nachvollziehbares Archiv. Hinweise dazu finden Sie im Beitrag „E-Mail-Archivierung für kleine Unternehmen: GoBD-konform mit Microsoft 365 oder Google Workspace“.
Ein erfolgreicher CRM Wechsel zeigt sich nicht daran, dass der Import ohne Fehlermeldung endet. Entscheidend ist, dass Ihr Team die richtigen Kundendaten findet, laufende Vertriebschancen weiterbearbeitet und nachvollziehen kann, woher die migrierten Informationen stammen.
vicube ist unabhängig und erhält für Empfehlungen kein Geld. Preise und Funktionen können sich ändern, prüfen Sie vor dem Kauf die Anbieterseite.
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